Jagdgenossenschaft Unterhöhenstetten

2016

 

 

 

Unterhöhenstetten/Kühn. Ab 1. April gehen die Unterhöhenstettener Jagdgenossen selbst auf die Jagd. So sieht es das System der "Eigenbewirtschaftung" vor, für das sich bei der sehr gut besuchten Jagdversammlung im Gasthaus Atzinger eine Mehrheit gefunden hat. Bedenken, wie das funktionieren solle, versuchte Josef Fisch, Jagdvorsteher des Kellberger Jagdreviers und selbst Waldbesitzer und Jäger, mit einem ausführlichen Referat zu zerstreuen.

Am 31. März läuft der Pachtvertrag aus, den die Unterhöhenstettener Jagdgenossenschaft mit den beiden Jagdpächtern Ernst Atzinger und Max Reschauer vor neun Jahren geschlossen hat. Die anstehende Neuverpachtung war aber bereits seit längerem mit einem Fragezeichen versehen. Denn zum einen hatte einer der beiden bisherigen Pächter aus gesundheitlichen Gründen sein Interesse an einer erneuten Pacht abgemeldet. Außerdem sind viele Jagdgenossen über den seit Jahren andauernden hohen Verbiss in ihren Wäldern verärgert. Da man deshalb innerhalb der Jagdgenossenschaft schon seit längerem über eine künftige Eigenbewirtschaftung nachgedacht hatte, wurde die Vorstandschaft der Jagdgenossenschaft Kellberg zur Jagdversammlung eingeladen.

Denn die dortigen Jagdgenossen betreiben bereits seit 2008 eine solche Eigenbewirtschaftung – und sind nach den Worten ihres Jagdvorstehers Josef Fisch bisher sehr gut damit gefahren. Der Kellberger Jagdvorsteher bekam deshalb Gelegenheit, den Unterhöhenstettener Jagdgenossen das System zu erläutern. "Die Eigenbewirtschaftung wurde in Angriff genommen, weil die Bauern mit der bisherigen Jagdausübung durch Pächter unzufrieden waren", leitete Fisch seine Ausführungen ein und ergänzte: "In den Wäldern kam nichts nach, die Pächter behaupteten aber immer wieder: Wir können nicht mehr Wild schießen."

Nachdem die Kellberger erfahren haben, dass auch in Lämmersdorf bei Untergriesbach bereits die Eigenbewirtschaftung funktioniert, entschloss man sich in Kellberg: "Wir probieren es ebenfalls selbst." Zunächst wurden die Wälder ausgelichtet, das "Anpflanzen" überließ man weitgehend dem Selbstanflug, was immer mehr zu einem gesunden Mischwald führt. Zudem gibt es für diese Art der Waldbewirtschaftung staatliche Zuschüsse. Und es ist auch gut für das Wild, das dort Deckung, Äsung und Ruhe findet.

Als Nächstes wurde der Wildbestand heruntergefahren. Dabei galt es vor allem, die Anzahl der weiblichen Tiere deutlich zu reduzieren. Dazu haben sechs Bauern den Jagdschein gemacht, weitere acht Jäger kamen hinzu. Josef Fisch selbst ist ein von der Jagdgenossenschaft angestellter Jäger, der pro erlegtes Stück Rehwild eine vereinbarte Aufwandsentschädigung erhält. Allerdings bekommt er von der Jagdgenossenschaft kein "Gehalt".

Die 14 Jäger sind selbstverständlich an die Vorgaben der Unteren Jagdbehörde gebunden, die die Abschusszahlen aufgrund des jeweils jüngsten Verbissgutachtens vorschreibt – die Jäger können diese Zahlen allerdings um bis zu 20 Prozent über- oder unterschreiten, müssen aber jährlich Rechenschaft über das erlegte Wild abgeben. Das Wildbret wird verkauft, der Erlös erbringt ungefähr so viel wie die frühere Pacht.

Wildverbiss gibt es nach wie vor, gesteht Josef Fisch ein, und bei der Eigenbewirtschaftung bleibt natürlich der gesamte entstehende Wildschaden an den Jagdgenossen hängen. Aber man könne trotzdem bereits große Erfolge nachweisen, was der Jagdvorsteher auch mit einigen Bildern aus seinem Revier tat: Jungwuchs allenthalben, obwohl man zwischenzeitlich den Abschuss bereits deutlich zurückfahren konnte. "Der Wald lügt nicht", ist eine Phrase, die Josef Fisch mehrmals in den Raum stellte.

"Wichtig ist, dass die Bauern zusammenhelfen", so die Erfahrung des Jagdvorstehers. Sollte das vorhandene Geld zum Begleichen von Wildschäden nicht ausreichen, tritt ein Umlageverfahren in Kraft. Der Unterhöhenstettener Jagdvorsteher Georg Thoma favorisierte ebenfalls die Eigenbewirtschaftung und meinte: "Bei einer Verpachtung sind wir wieder neun Jahre lang gebunden." Sollte die Eigenbewirtschaftung nicht funktionieren, könne man aber immer noch verpachten. Thoma kritisierte die eigenen Jagdgenossen, von denen viele schimpften, weil viel verbissen werde. Bei angesetzten Waldbegehungen ließen sich aber von den dreihundert Jagdgenossen nur wenige Leute blicken.

Als aus der Versammlung die Frage auftauchte, ob denn für den Fall der Eigenbewirtschaftung schon ein Jäger bereitstehe, der die Jagd verantwortlich übernehmen wolle, konnte Jagdvorsteher Thoma Johannes Riedl vorstellen, der auch offiziell sein Interesse an der Aufgabe bekundete. Insgesamt werde man für das 1355 Hektar große Revier zwischen Kühn und Neidlingerberg wohl zehn oder mehr Jäger brauchen. Sie werden einen Dienstvertrag, bzw. einen Begehungsschein bekommen, der ein Jahr Gültigkeit hat und sich dann automatisch um ein Jahr verlängert, falls keine andere Entscheidung getroffen wird.

Spannung versprach dann die geheime Abstimmung darüber, ob denn nun die Eigenbewirtschaftung auch im Unterhöhenstettener Jagdrevier Einzug halten soll. Der Wahlkommission gehörten Bürgermeister Heinz Pollak, Kreisrat Hans Bauer, die Stadträte Franz Maier und Alfons Eisner sowie die Leiterin des Forstbetriebes Neureichenau, Gudula Lermer, an. Gemäß der Jagdgenossenschaftssatzung war für die Annahme des Vorschlages eine Mehrheit, sowohl hinsichtlich der anwesenden Jagdgenossen, wie auch hinsichtlich der von ihnen vertretenen jagdbaren Fläche verlangt.

Wie Wahlleiter Franz Maier nach der Auszählung der Stimmzettel bekanntgab, haben 120 Jagdgenossen gewählt, etliche von ihnen auch per Vollmacht, die ihnen von nicht anwesenden Jagdgenossen erteilt wurde. Zwei Stimmzettel waren ungültig. Von den verbliebenen 118 Stimmzetteln enthielten 62 ein "Ja" als Zustimmung zur Eigenbewirtschaftung. Diese 62 Jagdgenossen vertreten eine Fläche von 732 Hektar. Entsprechend gab es 56 Gegenstimmen mit 255 Hektar Fläche.

 

 

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