Unwetterkatastrophe 2016

Zwei Tage nach dem Unglück rief Bürgermeister Heinz Pollak die Bevölkerung auf, Geld zu spenden und unzählige Privatpersonen und Firmen halfen!!!!!

 

Innerhalb von 10 Stunden organisierte Bürgermeister Heinz Pollak mehr als 30 Container, die aus dem gesamten Landkreis bereits am Sonntag der Bevölkerung kostenlos zur Verfügung standen

PNP vom 30.06.

 

"Es ist überwältigend!" Bürgermeister Heinz Pollak will Danke sagen. Von ganzem Herzen. An alle Helfer, die mitanpack(t)en beim Aufarbeiten der Sintflutschäden, an die vielen Spender, die teils erkleckliche Summen einzahlen auf das städtische Sonderkonto für die Opfer der Naturkatastrophe vom vergangenen Samstag. In Zeiten wie diesen zeigt sich, dass die Waidler zusammenhalten, wenn einer der Ihren unverschuldet in Not gerät.

 

"Viele müssen Schock noch verdauen""Ich weiß schon gar nicht mehr, wohin mit all den Leuten, die sich bei uns melden, weil sie aufräumen wollen", sagt der 40-Jährige, dessen Keller übrigens selbst unter Wasser stand. Vier Beispiele von vielen: Schlamm schaufeln statt chillen nach bestandener Reifeprüfung − Waldkirchner Abiturienten haben sich zum Rama dama angeboten. Die Stockschützen aus der Gemeinde Neureichenau veranstalten ein Benefizturnier zugunsten der Unwetter-Geschädigten. Die Stadtpfarrei will ihnen den Erlös des Pfarrfestes spenden (siehe unten). Die Nachbarbürgermeister schickten ihre Bauhofmitarbeiter, zum Beispiel Dr. Olaf Heinrich aus Freyung. "Bei ihm muss ich mich wie bei vielen anderen noch besonders bedanken", so Pollak. Wenn er einmal etwas mehr Zeit hat.

Doch jetzt ist Pollak noch im Krisenmodus. 280 Betroffene, Privatleute und Betriebe gibt es nach seiner Einschätzung, sie sind überall im Stadtgebiet verteilt. Viele davon hat er in den vergangenen Tagen schon besucht. "Von Samstag auf Sonntag war die Stimmung vielerorts sehr schlecht. Aber der Zusammenhalt ist wirklich hervorragend, 90 Prozent aller Keller sind nach meiner Einschätzung aufgeräumt, die Betroffenen haben Trockner aufgestellt. Wir sind auf einem guten Weg." In Dorn zum Beispiel, der Stadtteil, der wohl am stärksten in Mitleidenschaft gezogen worden war, werden die Aufräumarbeiten in dieser Woche zum Großteil wohl abgeschlossen.

"Bei vielen muss der Schock allerdings noch verdaut werden, da ist die Soforthilfe natürlich eine Hilfe." Die Stadtbürger würden sie gut annehmen – wie berichtet erhalten Flutopfer seit gestern 1500 Euro vom Freistaat. 5000 Euro für den Kauf von Hausrat seien ebenfalls in Aussicht gestellt. "Es gibt Härtefälle, die dringend auf dieses Geld angewiesen sind."

Wichtig ist laut Pollak auch, dass Gewerbetreibende großzügige staatliche Hilfe erhielten – das in Aussicht gestellte Programm biete günstige Konditionen. "Bis zu 25 Betriebe hat es bei uns erwischt − sie haben bei uns Schadenssummen zwischen 100000 und 900000 Euro gemeldet."

Voll des Lobs ist der Bürgermeister über das Engagement von Staatsminister Helmut Brunner, der sich am Montag vor Ort ein Bild von der Lage gemacht hat und jetzt in München für die Region kämpfe. "Er verhandelt, dass auch die Kommune über das übliche Maß Entschädigungen erhält – dafür bin ich ihm sehr dankbar."

Stromrabatt fürStadtwerke-KundenUm die Betroffenen auch durch die Stadtwerke zu entlasten, hat Pollak gemeinsam mit dem Kaufmännischen Leiter Günther Scheibenzuber eine Vereinbarung getroffen, dass die Stromkunden des städtischen Eigenbetriebs zehn Prozent Rabatt auf ihre Stromrechnung erhalten, wenn sie vom Hochwasser betroffen sind. Schließlich laufen in den Kellern pausenlos Trockner und Pumpen. "Sie sollen sich bis kommenden Mittwoch, 6. Juli, bei den Stadtwerken melden", so Pollak.

"Sehr gut" ist indes die Spendenbereitschaft – wie berichtet hat die Stadt ein Sonderkonto eingerichtet, auf das Geld für die Unwettergeschädigten eingezahlt werden kann. "Ich unterschreibe in einer Tour Spendenquittungen", freut sich der Bürgermeister. Beträge über 300, 500 oder sogar 800 Euro von Privatleute und Firmen seien keine Seltenheit.

Positiv sei auch die Aktion von Waldkirchner Geschäftsleuten, die in ihren Läden Sparschweinderl aufgestellt haben, die die örtliche Sparkasse zur Verfügung stellt. So können Kunden im Vorbeigehen mit dem Wechselgeld einen Beitrag zum Lindern der Not leisten.

PNP vom 29.06.

 

1500 Euro Soforthilfe vom Freistaat – damit können die Flutopfer rechnen . Heute wird im Landratsamt mit der Auszahlung begonnen (siehe Bayern- und FRG-Regionalteil).

Grundlage für die Finanzspritze ist die Einstufung der Katastrophe als sogenannter 100-jähriger Niederschlag. Und das stößt bei Bürgermeister Heinz Pollak auf Unverständnis – bei einer Bewertung als Jahrtausendereignis wären wohl höhere Zuschüsse des Freistaates für die Betroffenen geflossen. "1500 Euro Soforthilfe sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein."

Ein Großteil der Betroffenen sei nicht versichert, da ihre Gebäude fernab von Gewässern liegen würden. "Es gibt Informationen, dass es zum Teil 100 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gab. Ich bin der Meinung, dass das für unsere Region sehr wohl eine Jahrtausendflut war – denn in keinerlei Aufzeichnungen ist ähnliches vermerkt."

Unterdessen gehen die Aufräumarbeiten im Stadtgebiet mit Hochdruck weiter: "Der Waldkirchner Bauhof ist pausenlos mit allen Kräften im Einsatz. Wir bekommen auch vom Kreisbauhof und den umliegenden Gemeinden Hilfen", sagt der Bürgermeister. Trotzdem würden die Arbeiten noch Wochen dauern. Insbesondere die Wald-, Feld- und Wanderwege seien zum Teil in schlechtem Zustand. Viele entwurzelte Bäume würden noch neben Straßen und auf vielen Wegen liegen. "Ich bitte um Verständnis, dass es einfach nicht schneller geht."

Nach einer ersten vorläufigen Zusammenstellung entstand der Stadt durch das Unwetter ein Schaden in Höhe von rund 12 Millionen Euro – betroffen ist nach Angaben der Verwaltung nahezu die gesamte Infrastruktur von Straßen- und Wanderwegenetz bis hin zu Schulen, Badepark und Eisstadion. In welcher Höhe es staatliche Hilfe gibt, ist dem Vernehmen nach offen. Ein kommunales Sonderförderprogramm hat das Kabinett nicht verabschiedet.

Nahezu zerstört wurden die "Augenweide" und der "Zauberwald", die im Rahmen der Gartenschau 2007 entstanden sind. Allein im Stadtpark wird der Schaden vom städtischen Bauamt auf rund 450000 Euro beziffert. "Der steinerne Treppen-Bachlauf, der unterspült wurde, muss zum Beispiel abgerissen werden. Dieser Meinung sind die Statiker."

Bei Erlauzwiesel müssen wohl zwei Brücken erneuert werden – alleine das ist ein großer Posten, wenn man bedenkt, dass die Stadt im Haushalt planmäßig lediglich 400000 Euro reserviert hat für den Erhalt ihres 200 Kilometer langen Straßennetzes.

In der Mittelschule sind zum Teil die Deckenplatten heruntergefallen. "Sie haben sich mit Wasser vollgesaugt", so Pollak. Auch wenn das Gebäude in zwei Jahren abgerissen wird, so müssten die Schäden doch instand gesetzt werden, um den laufenden Schulbetrieb gewährleisten zu können.

Wassereintritt gab es unter anderem auch im Technikbereich des Mediterraneums – "der Betrieb kann allerdings fortgeführt werden" –, im Eisstadion und im E-Werk der Stadtwerke. Der städtische Eigenbetrieb schätzt den Gesamt-Schaden auf rund 500000 Euro.

PNP vom 28.06.

In einer Stunde fielen75 Liter pro Quadratmeter

"Solche Wassermassen sind gar nicht erklär- und nachvollziehbar. Das ist Wahnsinn", sagte Minister Brunner gestern bei seiner Rundfahrt durch Waldkirchen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes fielen bei dem Unwetter am vergangenen Samstag zwischen 20 und 21 Uhr 75 Liter Regen pro Quadratmeter im Raum Waldkirchen. "Schwere Unwetter wie dieses sind örtlich immer eng begrenzt", sagt Volker Wünsche, Leiter der DWD-Niederlassung München. Die Gründe seien meistens sogenannte Staueffekte und eine zu schwache Luftströmung. Am Wochenende hätten sich – durch die schnell aufgestiegene warme Luft vom Vortrag – mächtige, bis zu 10 Kilometer hohe Gewitterwolken gebildet, die von Oberbayern Richtung Bayerischer Wald gezogen seien. "Dort haben sie sich an den Bergen gestaut. Da der Wind vergleichsweise schwach war, konnten die Gewitterzellen nicht schnell genug auseinander ziehen. Dadurch haben sie sich geballt und wenig später heftig entladen. Dieses Phänomen beobachten wir diesen Sommer besonders häufig. Aber es ist reiner Zufall, wo sich derartige Gewitterwolken entwickeln."− chfMinisterlob für die Einsatzkräfte und Helfer

Ein dickes Ministerlob: "Der Einsatz der Hilfskräfte ist sehr beeindruckend. Ebenso die außergewöhnliche Hilfsbereitschaft der Nachbarn und Bürger", zeigte sich Minister Brunner nach seinem Ortsbesuch beeindruckt. Bei vielen Überflutungsopfern lagen indes die Nerven blank in der Katastrophennacht. Bürgermeister Heinz Pollak berichtete, dass es mehrere Beschwerden gegeben habe, weil die Feuerwehr erst nach drei, vier Stunden eingetroffen sei. "Alles auf einmal geht halt nicht – das Wasser ist so schnell gekommen, es gab soviele Alarmierung innerhalb kürzester Zeit. Da kann man nicht überall gleichzeitig sein", sagt Kreisbrandrat Norbert Süß. Priorität habe der Einsatz im Krankenhaus gehabt, das zu Beginn des Unwetters keine Notfallpatienten mehr aufnehmen konnte. Auch präventive Maßnahmen seien nicht möglich gewesen. "Es gab zwar eine Unwetterwarnung, aber dieses Ausmaß war nicht vorhersehbar. Und wenn wir es gewusst hätten: In so einem großen Gebiet hätten wir gar keine Vorsichtsmaßnahmen treffen können, um alles zu sichern."

Digitalfunk hat Feuerprobe bestanden

Zum ersten Mal kam bei einem Einsatz dieser Größenordnung der neue Digitalfunk der Rettungskräfte im Landkreis zum Einsatz. "Und es ist super gelaufen", sagt der KBR. 27 Feuerwehren hätten getrennt nach Einsatzgebiet koordiniert werden können, der Ablauf der Hilfseinsätze sei somit punktgenau und gestrafft gewesen. Das habe auch der Leiter der Integrierten Rettungsleitstelle bei einer Lagebesprechung bestätigt.

Warum der Katastrophenfallausgelöst wurde

Katastrophenfall – das klingt dramatisch, der Begriff bedeutet aber laut Landratsamt lediglich, dass die örtlichen Einsatzkräfte die Lage nicht alleine bewältigen können und andere Feuerwehren sowie Rettungsdienste von außerhalb benötigt werden. Wie berichtet hat ihn Landrat Sebastian Gruber Samstagnacht ausgelöst. Insgesamt 27 Feuerwehren und das Rote Kreuz waren im Stadtgebiet im Einsatz, über 650 Helfer zählte das Kontingent. Auch die Bauhöfe der Nachbarstadt Freyung und des Landkreises halfen ihren Waldkirchner Kollegen bei den Aufräumarbeiten. Gestern um 13 Uhr wurde der Katastrophenfall übrigens aufgehoben.

PNP vom 28.06.

 

Waldkirchen. Seit 1686 steht die Hammerschmiede der Familie Kindermann am Pollmannsdorfer Bach. Hochwasser hat das historische Bauwerk schon oft heimgesucht, aber so schlimm wie am vergangenen Samstag war es noch nie. Nach einem heißen Sommertag kam die Sintflut um 19.30 Uhr wie aus heiterem Himmel. Das sonst so ruhig fließende Bacherl verwandelte sich in einen reißenden Fluss, der sogar eine Wehranlage zerstörte. "Wahnsinn, Wahnsinn", sagt Josef Kindermann und deutet auf die Grundmauern des Gebäudes, die das Wasser freigelegt hat. "Das schaut nicht gut aus, alleine kann ich das nicht stemmen. Da müsst’s mir helfen." Die Existenz steht auf dem Spiel.

Die Hammerschmiede der Kindermanns ist die erste Station der Rundfahrt durch das Stadtgebiet von Waldkirchen, die der Krisenstab für Staatsminister Helmut Brunner organisiert hat. "Bei der Kabinettssitzung werde ich es zur Sprache bringen", sagt der CSU-Politiker zu dem 57-Jährigen – Versprechungen kann er keine machen. Ein aufmunternder Handschlag und es geht weiter − es gibt noch viel zu sehen im Katastrophengebiet, das Brunner gemeinsam mit Landrat Sebastian Gruber, Bürgermeister Heinz Pollak, Kreisbrandrat Norbert Süß und Oberregierungsrätin Judith Wunder vom Landratsamt abfährt.

Minister Helmut Brunner (2.v.l.) macht sich gemeinsam mit Bürgermeister Heinz Pollak (3.v.l.) und Landrat Sebastian Gruber (Mitte) ein Bild von der Schadenslage in Dorn. In den Vorgärten und Einfahrten türmt sich zerstörtes Mobiliar und Gerätschaften.
 

Minister Helmut Brunner (2.v.l.) macht sich gemeinsam mit Bürgermeister Heinz Pollak (3.v.l.) und Landrat Sebastian Gruber (Mitte) ein Bild von der Schadenslage in Dorn. In den Vorgärten und Einfahrten türmt sich zerstörtes Mobiliar und Gerätschaften.

Minister Helmut Brunner (2.v.l.) macht sich gemeinsam mit Bürgermeister Heinz Pollak (3.v.l.) und Landrat Sebastian Gruber (Mitte) ein Bild von der Schadenslage in Dorn. In den Vorgärten und Einfahrten türmt sich zerstörtes Mobiliar und Gerätschaften.

 

"Kommt jetzt die Soforthilfe?"Nächster Halt: das "Restaurant am See" von Franz Scheuringer in Erlauzwiesel. Der Gastronom, in dessen Lokal das Wasser 30 Zentimeter hochstand, schreitet gerade in Gummistiefeln das Gelände ab, als die hochrangige Delegation eintrifft. "Guten Morgen! Kommt jetzt die Soforthilfe?", sagt der 62-Jährige und lacht. "Sie sind ja schon wieder gut gelaunt", meint der Minister. "Hilft ja nicht", antwortet der Wirt, der bis auf weiteres geschlossen hat. "Ich kann noch nicht sagen, was auf uns zukommt." Die Schäden an Technik, an Mobiliar muss erst ein Gutachter ermitteln. Dann der Geschäftsausfall. Geburtstagsfeier, Hochzeit, Firmungsessen, alles musste Scheuringer absagen. Aber eins ist für ihn sicher: "Es geht weiter!" Zum Glück sei er versichert.

 
 

Doch bei weitem nicht alle Flutopfer haben eine Elementarschadensversicherung, warum auch. "Noch nie gab es in Waldkirchen Vergleichbares", sagt der Bürgermeister und lotst den Fahrer nach Dorn, in die Siedlung, die wohl am meisten Schaden genommen hat – dort wohnt der 40-Jährige übrigens selbst. Auch sein Keller stand unter Wasser. "Es ist paradox: Hier gibt es kein fließendes Gewässer, die Häuser stehen am Hang und doch gab es dieses Ausmaß an Zerstörung", sagt der Kreisbrandrat. Die Abwasserkanäle konnten die Regenfluten nicht mehr fassen, die vom Oberfrauenwald herabstürzten, die Straßen und ihre Gräben wurden zum Flussbett. "Es bildeten sich Bäche, die von ein Haus rein und wieder raus in nächste gerauscht sind."

 
 

Elf Container habe die Stadt allein in den betroffenen Straßenzügen aufgestellt, in die Anwohner ihre zerstörtes Hab und Gut entsorgen können. Denn in den Gärten und Einfahrten türmt sich das Mobiliar, vor einem Zahntechnik-Labor steht hochwertiges technisches Gerät. Es ist unbrauchbar geworden.

"Wir müssen da was machen vom Freistaat", sagt Brunner. Denkbar sei ein Beitragszuschuss der öffentlichen Hand für Privatversicherungen, um die Eigenverantwortung der Hauseigentümer zu stärken. "So wie es jetzt gemacht wird, ist es teurer für den Freistaat."

"Wir müssen da was machen vom Freistaat"Ein Haus am Straßenrand, 2,25 Meter ist der Keller hoch, das Wasser stand bis zur Decke. Und stieg noch ins Treppenhaus ins Erdgeschoss. Die Familie räumt auf, Brunner fragt den Hausherrn: "Wie geht’s Ihnen?" Der 62-Jährige ringt nach Worten und schweigt erst. "Es hilft nicht, man muss weiter machen." Allein bei diesem Einfamilienhaus war die Feuerwehr Ratzing laut Bürgermeister 30 Stunden im Einsatz. Die Tochter wischt gerade den Keller aus, als die Delegation sich umschaut. Ob sie Angst hat, dass das Wasser wiederkommt? "Diese Sorge habe ich jetzt nicht, im Moment sorge ich mich darum, dass wieder alles hergerichtet wird."

Am Ende des Rundgangs durch Dorn grüßt noch eine Dame in einem Hausgang Helmut Brunner, die gerade einen Putzeimer in der Hand hat. "Ich hätte schon noch einen Eimer parat", meint sie lachend. "Ich glaube, Sie können es besser", erwidert der hohe Gast. Und die Dornerin gibt ihm schmunzelnd recht. "Ich habe ja auch schon zwei Tage Übung drin."

PNP vom 28.06.

Waldkirchen. "Wie eine Walze" sei der Regen über die Stadt gekommen, sagt ein Waldkirchner, ein älterer Herr, der schon viel gesehen und erlebt hat. Aber so ein Unwetter wie am Samstagabend, das machte selbst ihn beinahe sprachlos. "So etwas gab es noch nie bei uns."

Innerhalb von einer Viertelstunde sind ab 19.30 Uhr zahlreiche Keller überall im Stadtgebiet vollgelaufen. Hänge rutschten ab, Bäume knickten wie Streichhölzer, Rinnsale wurden zu reißenden Flüssen, Wege ausgespült, Straßen überflutet. Der Regen schoss waagrecht in die Tiefe, Wasser in ungeahnten Massen. Wie eine graue Wand.

Unglück schweißtMenschen zusammenDie Menschen sind fassungslos ob der ungeahnten Naturgewalt. "Ich stehe noch immer unter Schock", sagte eine Dornerin am Tag danach – die Siedlung am Stadtrand hat es besonders schlimm erwischt. "Das Wasser lief wie ein Wasserfall in die Häuser, auf der Kreisstraße stand es einen halben Meter hoch." 30 bis 40 Keller, so eine erste Schätzung, sind hier in ganzen Straßenzügen vollgelaufen.

Und hier zeigte sich auch beispielhaft, wie ein Unglück die Menschen zusammenschweißt. Rund um die Uhr haben Feuerwehrler aus weitem Umkreis angepackt, Nachbarn kamen zu Hilfe, Freunde, Bekannte, aber auch Wildfremde, die anpacken wollten. Die Helfer schaufelten Schlamm und Dreck aus den Kellern, warfen zerstörtes Hab und Gut in eilig herbeigeschaffte Container.

Rund 250 Einfamilienhäuser und bis zu 20 Firmen im Stadtgebiet von Waldkirchen waren am Samstag von den Überflutungen betroffen. Das teilte Bürgermeister Heinz Pollak in einer Stellungnahme der Stadt mit. Um 20.25 Uhr sei als erste Feuerwehr die Stadtfeuerwehr alarmiert worden – innerhalb weniger Minuten seien mehr als 100 Anfragen dazugekommen. Freyungs Bürgermeister Dr. Olaf Heinrich schickte zur Unterstützung Mitarbeiter und Fahrzeuge der Nachbarstadt Freyung.

Das schwere Unwetter hat im südlichen Landkreis Freyung-Grafenau immense Schäden verursacht. "Sowohl privat als auch an der kommunalen Infrastruktur – in welcher Höhe, das ist noch nicht bezifferbar", sagte Landrat Sebastian Gruber bei einer Lagebesprechung. Pollak sprach von einer Größenordnung, die in die Millionen geht. Beide waren sich einig, dass Stadt und Kreis mit der Behebung der Schäden alleine überfordert seien. "Ich habe Staatsminister Helmut Brunner die Situation im Landkreis geschildert – und er hat mir zugesagt, dass er sie am Dienstag, im Kabinett zum Thema machen wird", sagte Gruber.

Viele Straßen im südlichen Landkreis waren laut Kreisbrandrat nicht mehr befahrbar. "Es gab fast murenartige Erdabgänge."

Einig waren sich die Vertreter von Feuerwehr, Kommunalpolitik und Polizei, dass dieses Unwetter beispiellos gewesen sei. "Das war Wahnsinn, gigantisch", sagte der Kreisbrandrat des Nachbarlandkreises, Norbert Süß. "Wir waren vorletzte Wochen in Simbach und haben geholfen – als wir das Bacherl gesehen haben, konnten wir kaum glauben, dass es solche Schäden angerichtet hat. Jetzt wissen wir: Das ist überall möglich – auch wenn es bei uns nicht so eine schlimme Qualität hatte."

Wander- und Radwegesind gesperrtAufgrund des Unwetters wurden mehrere Wander- und Radwege im Waldkirchner Bereich total gesperrt, teilt die Tourist-Info der Stadt mit. Dies sind der Verbindungsweg zwischen Schwaiberger und Ratzingerweg, der Adalbert-Stifter-Rad- und Gehweg von Waldkirchen nach Erlauzwiesel, der Wanderweg durch die Saußbachklamm und der Rundweg um den Kurparksee Erlauzwiesel.

 

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