Bücherei

2016

Der Stadtrat hat beschlossen, die Stadtbücherei im Bürgerhaus ab August dieses Jahres stillzulegen – in der jetzigen Form. Letzteren Passus haben sich die Stadträte nach Mehrheitsbeschluss ausbedungen, um einem endgültigen Aus dieser Einrichtung vorzubeugen; vielleicht gibt es ja mal private Initiativen, möglichst zentral, eventuell in einem jetzigen Leerstand im Stadtinnern ein Lesecafé oder ähnliches zu entwickeln und da würde die Stadt durchaus behilflich sein.

 

Die Situation rund um die Stadtbücherei war im Stadtrat Anfang des Jahres nach einer Besichtigung vor Ort im Bürgerhaus besprochen worden. Beschluss gab es damals keinen. In der Zwischenzeit war – wie Bürgermeister Heinz Pollak (UCW-FW) bei der jüngsten Sitzung berichtete – eine Expertin von der Bayerischen Staatsbibliothek vor Ort und hat sich mit der Situation vertraut gemacht. Nun galt es im Gremium, abzuwägen, ob und wie man künftig eine Stadtbücherei haben möchte. Auch der Kulturbeauftragte der Stadt, Andreas Pietzsch (SPD), war einbezogen worden. Zunächst hatte es die Planung gegeben, die Bücherei vorübergehend im Rathaus in den jetzigen Räumen der Stadtwerke unterzubringen und die Stadtwerke ins Gäste- und Bürgerhaus umzusiedeln, um später zu prüfen, ob man nach Ablauf des Mietvertrags mit der VHS die Bücherei wieder ins Bürgerhaus zurückführen soll. Doch in der Sitzung stellte dann Heinz Pollak einen andersartigen Beschlussvorschlag vor, der zusammen mit den Fraktionsführern erarbeitet worden ist: "Der Stadtrat beschließt, die Stadtbücherei Waldkirchen ab August 2016 stillzulegen". Es soll dann gesichtet werden, wie der Bestand ausschaut, was noch gebraucht wird, was eingelagert werden soll.

 
 

Bei den anschließenden Wortmeldungen war zu erkennen, dass ein vollständiges Aus der Einrichtung nicht im Sinne Vieler der Ratsmitglieder wäre und "stilllegen" nicht gleich "abschaffen" bedeuten sollte. Allerdings: Es gab auch andere Meinungen.

Hans Draxinger (CSU) meinte, dass alles angeschaut, viel überlegt, alles durchgesprochen worden sei und das Stilllegen nicht gleich ein Aufhören bedeute. Max Schwarz (CSU) war konkret für eine Schließung, "weil ja eh kaum einer mehr ein Buch ausleiht!"

Romane aus den 80er und 90er Jahren, Reiseführer über die DDR und Jugoslawien, keine neuen CDs seit 1996, sämtliche Zeitschriftenabonnements gekündigt – die Waldkirchner Stadtbücherei ist nicht gerade ein Paradies für Bücherwürmer.

Davon überzeugten sich auch die Stadträte bei einer Stippvisite. Bürgermeister Heinz Pollak zeichnete ein bedauernswertes Bild der Sammlung: "Viele Bücher fallen schon auseinander." Die Ausleihzahlen seien stark rückläufig. Wurden früher noch fast immer mehr als zehn Bücher pro Woche ausgeliehen, sind es heutzutage nur noch zwei bis drei.

Die Gründe für den Rückgang des Interesses sind laut Pollak vielfältig. "Die Leute kaufen mittlerweile gebrauchte Bücher im Internet, wo sie oft billig sind." Auch die Schüler kämen nicht mehr, seit die Schulen alle eigene Büchereien eingerichtet hätten.

30000 Euro kostet die Bücherei die Kommune pro Jahr. Demgegenüber stehen 300 Euro jährliche Förderung vom St. Michaelsbund, mit denen rund zehn neue Romane gekauft werden.

Doch das ist anscheinend zu wenig, um Leser anzulocken. Auch mit Autorenlesungen haben man es laut Pollak versucht, doch sämtliche Anfragen wurden abgelehnt. Die Autoren lesen lieber in Buchhandlungen oder im Haus der Natur, Kunst, Kultur und Jugend (HNKKJ), so Pollak.

Mitte des Jahres wird das Tourismusbüro, dessen Personal die Bibliothek betreut, in den Marktplatz umziehen − was wird dann aus der Bücherei? "Es wäre schade, wenn die Bücherei aufgelöst wird", meinte Stadtrat Max Schwarz (CSU). Er regte an, es mit in kleinerem Rahmen an einem anderen Standort zu versuchen, oder wieder auf die Schulen zuzugehen.

Das Fazit des Ortstermins: Der Stadtrat wird sich in den nächsten Monaten Gedanken zur Zukunft der städtischen Bücherei machen müssen. pnp vom 14.03.2016

 

 

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